| Predigt zum
Gründonnerstag am 13. April 2006 |
| Lesung: Ex. 12, 1-8.11-14 2. Lesung: 1.Kor. 11, 23-26 Evangelium: Joh. 13, 1 - 15 Autor: P. Heribert Graab S.J. |
| Heute abend beginnen wir also die Feier der „Drei Österlichen Tage". Vordergründig betrachtet gedenken wir der großen Ereignisse dieser Tage in der Reihenfolge ihres historischen Ablaufes: • Heute: das Gedächtnis des letzten Abendmahles und des Gebetes Jesu im Garten Getsemani; • morgen am Karfreitag: das Gedächtnis des Leidens und Sterbens unseres Herrn; • den Karsamstag halten wir als „Stillen Tag" im Gedächtnis Seiner Grabesruhe; • in der Osternacht schließlich feiern wir Seine Auferstehung und Seinen Sieg über die Macht des Todes. Beim näheren Hinsehen jedoch stellen wir fest: Die Feiern dieser Tage haben immer das Ganze der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen im Blick. Heute haben wir in der ersten Lesung von Gottes großer Befreiungstat an Israel gehört: An deren Anfang stand das Pesachmahl, das Juden bis heute in diesen Tagen feiern als Höhepunkt des Heilshandelns Gottes und als ein Hoffnungszeichen für die Erfüllung aller Heilsverheißungen Gottes. Jesus selbst hat dieses jüdische Festmahl am heutigen Tag mit Seinen Freundinnen und Freunden gefeiert - und das nicht nur im Blick zurück auf die Befreiung Israels aus dem Sklavenhaus Ägypten. Für Jesus ist in diesem Mahl bereits das Heilshandeln Gottes durch Ihn selbst präsent: durch Sein ganzes Leben und Seine frohmachende Botschaft, durch Sein Leiden und Seinen Tod am Kreuz, und nicht zuletzt durch Seine Auferstehung am Ostermorgen. Wir feiern also heute Abend bereits das ganze Geheimnis dieser drei österlichen Tage! Wir feiern das Fest der „Verwandlung" dieser Welt: Es geht nicht nur um die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi, in die umfassende Wirklichkeit Seiner menschlichen und göttlichen Person also. In der Feier der Eucharistie ist vielmehr die Fülle des Heils präsent, die uns durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu Christi geschenkt ist. In dieser Feier geschieht immer wieder neu die Verwandlung unserer unheilvollen Welt in eine Welt göttlichen Heils. Der große Naturwissenschaftler und Theologe Teilhard de Chardin spricht sogar von einer Verwandlung der gesamten Materie des Weltalls: Diese Materie bildet durch die Struktur und Interaktion ihrer kleinsten Teilchen und Wellen eine höchst aktive und sich ständig verwandelnde Einheit. Brot und Wein der Eucharistiefeier sind eingebunden in diese Einheit der kosmischen Materie. Und die Verwandlung von Brot und Wein bedeutet zugleich Verwandlung des gesamten Alls. Wir selbst sind also bis in unsere Leiblichkeit hinein von dieser Verwandlung betroffen! Als Leib-Geist-Wesen können wir uns diese Verwandlung bewußt machen und sie auch bewußt leben. Es geht also auch um unsere eigene „Verwandlung" und darum, die in der alltäglich gelebten Praxis „einzuholen". Dazu schrieb schon vor vielen Jahren der Frankfurter Pfarrer und Schriftsteller Lothar Zenetti einen aufschlußreichen und im Wesentlichen heute noch aktuellen Text: Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche. Sie werden antworten: Die Messe. Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe. Sie werden antworten: Die Wandlung. Sag hundert Katholiken, daß das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist. Sie werden empört sein: Nein, alles soll bleiben, wie es ist! Dieser treffende Text gilt für die Kirche als Ganze; dieser treffende Text gilt in gleicher Weise auch für uns, die wir als Einzelne alle zusammen die Kirche sind. Heute am Gründonnerstag, und in diesen österlichen Tagen überhaupt feiern wir das Fest der Verwandlung. Ein Fest aber, das wir nicht auch im Alltag leben, wir leicht zur Lüge. Hören wir deshalb noch einen bekannten Liedtext von Peter Janssens: Wandelt euch und wandelt gut! Euer Wandel Wunder tut. Einer trägt des Andern Last, einer hält beim Andern Rast Wandelt euch und wandelt gut! Euer Wandel Wunder tut. Last des Lebens, Last zu zweit, halbe Last und halbes Leid. Wandelt euch und wandelt gut! Euer Wandel Wunder tut. Genau dazu gibt uns Jesus selbst heute am Gründonnerstag einen wichtigen Impuls - wiederum ein Aspekt der ganzheitlichen Sicht von Heil in der Botschaft dieser drei österlichen Tage: Jesus erweist uns ganz praktisch Seine Liebe: „Er stand vom Mahl auf, legte Sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goß Er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen." In die Liturgie ist dieses Tun Jesu eingegangen als eine Symbolhandlung. Aber selbstverständlich ist eine solche Symbolhandlung unwahrhaftig, wenn sie nicht ihre Entsprechung findet in unserem Alltag. Gerade weil diese Wahrhaftigkeit jedoch nicht einfach selbstverständlich ist, kann die Symbolhandlung allerdings auch zu einem kräftigen Impuls werden, uns und unser Leben zu „wandeln". Daher laden wir jetzt alle ein zu einer solchen Symbolhandlung - allerdings in aktualisierten Form: Zur Zeit Jesu war es ein Sklavendienst, den „Herrschaften" die Füße zu waschen, wenn sie von der staubigen und schmutzigen Straße ins Haus traten. Heute ist es ein vergleichbarer Sklavendienst, wenn Straßenkinder aus den Slums der Metropolen (Shoe-shine-boys) den Vorübergehenden anbieten, ihnen die Schuhe zu putzen. Kommen Sie also nach vorne; lassen Sie sich die Schuhe putzen, und lösen Sie die Shoe-shine-boys in ihrem Dienst auch ab, indem Sie selbst weitermachen... |